Medaillenchance für Außenseiter

Patrick Hoesly

Nach - – Medaillenchance für Außenseiter?

 

Medaillenchance
„577 – Olympic Rings Texture“ by Patrick Hoesly (CC BY 2.0)

 

Im April hatte die NHL beschlossen, ihre Saison zum ersten Mal seit 1998 nicht für zu unterbrechen. Damit verliert das olympische Eishockeyspiel, eigentlich stets ein Höhepunkt der Spiele, an sportlicher Wertigkeit.

 

Spätestens seit 1998 ist olympisches ein absolutes Highlight der Spiele. In Nagano gelang es den Verantwortlichen des IOC erstmals, die besten Eishockeyprofis aus der nordamerikanischen Profiliga NHL zur Teilnahme an Olympia zu bewegen. Die Welt schaute plötzlich Weltstars wie Wayne Gretzky, Jaromir Jagr, Henrik Lundqvist oder Alexander Owetschkin zu, wie sie den Puck übers Eis jagten. Letzter hatte den Olympia-Boykott der NHL zuletzt mehrfach kritisiert, schlichtweg weil das Turnier für jeden Profi nach dem Stanley Cup der zweitwichtigste Wettbewerb ist. Und auch die Fans lieben es, wenn die mit Millionen-Dollar-Verträgen ausgestatteten Eishockeyprofis plötzlich nicht mehr Geld, sondern Gold jagen.

 

Christian Ehrhoff and Ryan Smyth
„Christian Ehrhoff and Ryan Smyth“ by Elliot (CC BY 2.0)

Damit ist in Südkorea nun Schluss. Auch weil das IOC, im Gegensatz zu den vergangenen fünf Winterspielen, erstmals nicht die horrenden Kosten für Anreise und Versicherung übernehmen möchte. Ein guter Grund, um für Olympia abzusagen. Schließlich ist das Turnier in Pyeonchang aus Sicht der Teambesitzer nur wenig profitabel, zumal keine Fernsehgelder generiert werden. Die Übertragungsrechte für den US-amerikanischen Fernsehmarkt liegen beim Sender NBC. Zudem verspricht Südkorea kaum Erträge aus Werbeeinnahmen. Letztlich bleibt immer auch die Gefahr, dass sich ein Spieler bei Olympia verletzt und damit gezwungen ist, mitten in der NHL-Saison zu pausieren.

 

Die Absage könnte sich allerdings als Entscheidung mit Spätfolgen herausstellen. So hatte Schwedens Nationaltorwart Henrik Lundquist von den New York Rangers seinem Frust Luft gemacht: „Enttäuschende Nachrichten. Eine große Möglichkeit, den Sport auf der grössten Bühne zu vermarkten, wird vertan.“.  Schließlich betrifft der Boykott alle vertretenen Nationen. Neben den USA trifft der Boykott auch andere Top-Eishockey-Länder wie Schweden, Kanada oder Finnland. Schließlich bauen auch diese Teams vermehrt auf Spieler aus der NHL.

Switzerland vs. Russia
„Switzerland vs. Russia“ by Birgit Pauli-Haack (CC BY 2.0)

Bei Eishockey Wetten galt daher zuletzt Russland, als einziges Top-Team halbwegs prominent besetzt, als Favorit auf die Goldmedaille. Allerdings droht nun auch die kontinentale Eishockeyliga KHL damit, keine Spieler für die Olympischen Winterspiele abzustellen. Grund ist der mögliche Ausschluss Russlands von den Spielen aufgrund der Vorfälle bei Olympia 2014 in Sotschi. Damit könnten sonstige Außenseiter wie die Schweiz oder Deutschland plötzlich zu ernstzunehmenden Anwärtern auf die Goldmedaille werden.

 

Das deutsche Team konnte jüngst bereits einen Achtungserfolg gegen die USA erzielen. Beim Deutschland-Cup setzte sich das Team von Bundestrainer Marco Sturm klar mit 3:1 durch. Gegen ein B-Team der Russen hagelte es allerdings eine 2:8-Niederlage und auch gegen die Slowakei musste sich das DEB-Team mit 0:3 geschlagen geben.

 

Bei Olympia bekommt es Deutschland in der Gruppe C mit Schweden, Finnland und Norwegen zu tun. Nur die Sieger und der beste Zweite aus den drei Gruppen qualifizieren sich direkt für das Viertelfinale. Alle anderen müssen in Play-off Duellen ran. Zuletzt holte das deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen 1976 eine Medaille. Für das letzte Turnier 2014 im russischen Sotschi gelang es Deutschland nicht, sich zu qualifizieren. Aber vielleicht gelingt in diesem Jahr die Wiedergutmachung in Form einer Medaille. Ohne Stars aus NHL und möglicherweise auch der KHL stehen die Medaillenchancen des DEB für Südkorea unter einem guten Stern.